Renaissance-Blockflöten
Consort

Vorlagen:
Werkstattzeichen

Sigmund I und Arzasius Schnitzer, 1557
Nürnberg/ München

c+ Extension G, c, f, c’, g’
Stimmtonhöhe: a=460/465

Die Familie Schnitzer dreier Generationen bringt den Holzblasinstrumentenbau der Freien Reichsstadt Nürnberg im 16. Jahrhundert zu einer ersten Blüte, vergleichbar mit der Periode der Familie Denner zwei Jahrhunderte später.
Ahnherr der „Dynastie“ war Albrecht Schnitzer, Stadtpfeifer und „Pfeifenmacher“ (Holzblasinstrumentenmacher) in München. Er starb 1524 oder 1525. Er war ein sehr gesuchter Holzblasinstrumentenbauer, wie aus einem Brief seines Enkel Veit Schnitzer an Kaiser Karl V. aus dem Jahr 1555 hervorgeht.
Die Signierung geht auf Albert zurück. Er signierte mit einem einzelnen A. Seine Söhne und Nachfolger gebrauchten dasselbe Zeichen, und zwar Hans (begraben 1565) ebenfalls ein A, Sigmund ( + 1557) und Arzasius (?), wahrscheinlich aber auch Mathes (+ 1553) AA. Alle waren Stadtpfeifer und Pfeifenmacher: Hans, Sigmund, Mathes in Nürnberg, Arzasius in München. Neben den genannten waren noch mindestens drei weitere Mitglieder der Familie Schnitzer als „Pfeifenmacher“ im 16.Jh. tätig. Dies können wir dem obengenanntem Brief Veits entnehmen.
Ganassi druckt in seiner „Fontegara“ von 1535 eine Grifftabelle mit der Signierung von Albrecht, bzw. Hans ab. Dies zeigt die enorme Wertschätzung der Instrumente Schnitzers. Altflöten von ihnen sind leider nicht überliefert.
Die Formgebung der Signierung erinnert deutlich an einen Zirkel. Möglicherweise geht dies auf eine freimaurerische Tradition zurück.
Instrumente der Familie Schnitzer fanden sich nicht nur im Deutschen Reich, sondern auch in Frankreich und Italien.
Nachweisbare Blockflöten
     a. Tenorblockflöten
         Kunsthistorischen Museum Wien, C. 163
         Tenorblockflöte in c’ , a=460, signiert A. A.
         Muziek Instrumenten Museum (MIM) Brussel, M 1034
         Tenorblockflöte in h’, a=460, signiert A. A.
     b. Basset- bzw. Bassblockflöten
         aa) Braunschweig , Städtisches Museum, Ck 83
               Bassetblockflöte in g, a=460, signiert A.A.
         bb) Kopenhagen, Musikhistorisk Muset, E. 78 (Kat. Nr. 38)
               Basset in g, a=460, signiert A.A.
         cc) Brüssel, Muziek-Instrumenten Museum, Nr. 1032
               Basset in g, a=460, signiert A. (Hersteller Albert aber ebenso Hans).

Die erhaltenen Blockflöten sind von einer so hohen Qualität, dass es vor der Hand liegt, ausgehend von diesen ein Consort zu entwickeln. Großbass in c und c mit Extension basieren auf den Instrumenten von Rauch von Schratt.

G.M. Klemisch, „Die Kernspaltflöte um 1500“ in „Heinrich Isaac und Paul Hofhaimer im Umfeld...“, Innsbruck 1997)
Ekkehart Nikkel, „Der Holzblasinstrumentenbau in der Freien Reichsstadt Nürnberg“, München 1971, ISBN 3-87397-008-2 William Waterhouse, „The New Langwill Index“ London, 1993, ISBN 0-946113-04-1
Pillip T. Young , 4900 Historical Woodwind Instruments, London 1993, William Waterhouse