Tenorblockflöte in c’ nach Schell,
a=415 Hz, Buchsbaum mit Doppellöchern, barock (englische) Griffweise.

Diese Tenorblockflöte hat keine Klappe und erreicht mühelos mehr als zwei Okaven Umfang.

Es ist interessant zu wissen, dass Stanesby in seinem „A Plea for the Tenor recorder“ 1705 vorschlägt, die Tenorflöte für transponierte Musik statt der „common flute“ einzusetzen, um auf diese Weise die Musik in der originalen Tonart spielen zu können.



Johann Schell, Nürnberg (1660 – 1732)
Brandstempel: H SCHELL/ (im Wimpel)/ S / x-förmiges „Schlingmonogramm“ JS

Die Flöte befindet sich heute im Tiroler Landesmuseum Innsbruck und ist in hervorragendem Zustand.

Johann war Sohn des Wildruf-Dreher Anton Schell. 1693 tritt er erstmals als „Flötenmacher“ in Erscheinung. 1694 reicht er zusammen mit I.C. Denner ein Meisterrechtsgesuch beim Rat ein, welches 1697 die Anerkennung als Meister im Holzblasinstrumentenbau (!) zur Folge hatte. Es ist unklar, wie groß seine Bedeutung in Bezug auf die Entwicklung der französischen Holzblasinstrumente wirklich war.
Seine erhaltenen Blockflöten zeigen jedoch eine bis ins Detail entwickelte Perfektion und „Modernisierung“ in Klang und Ausführung. Es schein offensichtlich, dass seine Rolle in Bezug auf den „französischen Flötenbau“ in Nürnberg ebenso evident und wichtig wie die Denners war. Namentlich die Altblockflöte (1956/632) in der Baseler Sammlung (Historisches Museum)wie auch die obengannte Tenorblockflöte (2/85) im Tiroler Landesmuseum zeigen dies überzeugend. Nimm t man diese Blockflöten, so zeigt sich, dass die Blockföten Jakob Denners denen von Schell näher stehen, als denen des Vater.

Lit.: Thomas Lerch, “Vergleichende Untersuchungen von Bohrungsprofielen Historischer Blockflöten des Barock,“ Staatliches Institut für Musikforschung, Berlin 1996, ISBN 3-922378-14-5
Ekkehart Nikkel, „Der Holzblasinstrumentenbau in der Freien Reichsstadt Nürnberg“, München 1971, ISBN 3-87397-008-2
William Waterhouse, „The New Langwill Index“ London, 1993, ISBN 0-946113-04-1
Pillip T. Young , 4900 Historical Woodwind Instruments, London 1993